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Dass GM Roger Mayer auch im Nahschach eine feine Klinge führt, stellte er bei einer Simultanveranstaltung anlässlich des Aktionstages «so aktiv» im solothurnischen Kappel unter Beweis. (Foto: Markus Angst)

Fernschach

​Einer geht noch!

Wie in der letzten «SSZ»-Ausgabe berichtet, kann sich nun auch Roger Mayer, der langjährige Kassier der Schweizerischen Fernschachvereinigung (SFSV) mit dem GM-Titel schmücken. Er holte die beiden nötigen Normen in einem Zeitraum von etwas mehr als einem Jahr. Die erste im Avotins-Memorial, bei dem sich IM Denny Marbourg zurückzog, die zweite im Turnier zum 55-Jahr-Jubiläum des Italienischen Fernschachverbandes, bei dem IM Borut Komarica neun seiner zehn Partien verlor – unter anderem gegen Mayer.

Dass er den Titel verdient hat und über die nötige Stärke verfügt, steht ausser Frage. Seine ELO-Zahl steht seit drei Jahren permanent über 2500, mit einem Spitzenwert von 2558 in der Liste 4/2024.

Da es mit der rasanten Entwicklung der Schachprogramm – gerade auf diesem Niveau – immer schwieriger wird, eine Partie zu gewinnen, habe ich eine ältere Partie von Mayer ausgesucht. In der Champions League 2007, die bis 2009 dauerte, gewann der damals noch titellose Schweizer, für die «Alpine Rookies» spielend, gegen den russischen SIM Sergej Romanow, der fast 100 ELO-Punkte mehr auf die Waage brachte, und sicherte sich mit 6 Punkten aus zehn Partien (+3, =6, -1) seine zweite SIM-Norm und damit den Titel. Und jetzt, fast 17 Jahre später den GM-Titel.

Roger Mayer (Sz) – SIM Sergej Romanow (Rus)

Champions League 2007, Division B2, Brett 2
Französische Verteidigung, Tarrasch-Variante (C03)

1. e4 e6. Schwarz wählt die Französische Verteidigung. Er will das Zentrum mit dem Bauern d5 besetzen und bereitet diesen Schritt mit diesem Bauernzug vor. Der Nachteil ist, dass der Läufer auf c8 eingeschlossen bleibt und Schwarz später dieses Problem lösen muss. Der frühere Weltmeister Gary Kasparow war kein grosser Fan dieser Eröffnung und perfektionierte die Sizilianische Verteidigung als Waffe, die auch mehr zu seinem dynamischen Stil passte.

2. d4 d5 3. Sd2. Siegbert Tarrasch führte den vorsichtigen Springerzug um 1889 ein. Damit verhindert Weiss eine Fesselung des Springers auf c3, hält sein Zentrum flexibel und ist gerüstet, dem thematischen Hebel c7–c5 mit c2–c3 zu begegnen, was den Bauern d4 stützt. Bezahlen muss Weiss mit vermindertem Zentrumseinfluss und der Selbstblockade des Läufers auf c1.

3. ... Le7. Dieser Zug wird selten gespielt. Unklar ist, ob sich Mayers russischer Gegner verzogen hat oder ob er seinen schwächer eingeschätzten Gegner aus dem Buch und damit auf unbekanntes Terrain bringen wollte.

4. e5 c5 5. Dg4. Weiss nimmt den Fehdehandschuh auf und startet mit diesem Damenzug die Offensive, obwohl er noch kaum entwickelt ist.

5. ... Kf8. Und er hat insofern Erfolg, als er dieses Zugeständnis abringen kann: Schwarz kann nicht mehr rochieren und muss sich nun neben dem eingeschlossenen Läufer auch noch um den König in d er Mitte kümmern, der bisher allerdings noch sicher steht.

6. dxc5 Sc6. Während Weiss sich einen Bauern einverleibt hat, entwickelt sich Schwarz weiter. Da nun beide weissen Bauern hängen, wird sich Schwarz über kurz oder lang einen davon zurückholen.

7. Sgf3 h5 8. Dg3 Sh6. Dieser natürliche Zug wurde im Fernschach bisher nur in dieser Partie gespielt.

8. ... h4 9. Df4 g5 10. De3 Sh6 11. h3 Sf5 12. Dc3 wurde schon ein paar Mal versucht. ♖♔

9. Sb3 Sf5 10. Df4 f6 11. h3 g5.


Spielen Sie weiter

Was ziehen Sie?

Schwarz hat seine Springer auf aktiven Feldern platziert, sein König steht aber in der Mitte, und der Königsflügel ist sehr luftig. Weiss hinkt in der Entwicklung noch etwas hinterher, da er einige Züge mit der Dame unternommen hat, verfügt aber über keine Schwächen.

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Jubiläumsturniere

In der Kategorie A des Jubiläumsturniers der SFSV (www.iccf.com/event?id=111682) konnte der tschechische GM Jan Zidu von einem Fingerfehler seines Landsmannes GM Josef Sykora profitieren und sich bisher als einziger Spieler einen Sieg eintragen lassen. Die anderen 33 Partien endeten bisher remis.

Im B-Turnier sind 16 Partien beendet, die alle unentschieden endeten. Einzig der frischgebackene GM Reto Egger verbuchte einen glücklichen Sieg, da sein Gegner im 20. Zug die Bedenkzeit ausging. Damit schraubte er seine ELO-Zahl auf 2529. Sollte er die restlichen Partien remisieren, wäre das gleichbedeutend mit einer weiteren GM-Norm.

Das C-Turnier ist schon fast beendet, nur noch neun der 78 Partien laufen. Überschattet wird es vom Tod des polnischen GM Zbigniew  Szczepanski, der Mitte Mai verstarb. SIM Gerhard Ziese aus Deutschland kam so zu einer GM-Norm und kann den Titel bestätigen, SIM Pawel Postupa fehlt noch ein Remis, um sich die Norm und den Titel ebenfalls zu holen.

In der Kategorie D stellte der ehemalige Schweizer Meister IM Reinhard Wegelin gegen seinen Landsmann IM Daniel Weber-Widmer eine Figur ein und könnte ihm so zu einer weiteren IM-Norm verhelfen. Den Titel hat sich Weber aber bereits in der Vorrunde zur 49. WM gesichert. Die anderen 64 Partien endeten remis.


Länderwettkämpfe

Die Bilanz in Ländervergleichen sieht für die Schweiz in letzter Zeit etwas durchzogen aus. Konnte man Schweden noch deutlich mit 29:23 besiegen, setzte es gegen die Ukraine eine 21:23-Niederlage ab. Leider ging auch der Wettkampf mit einer zusammengewürfelten Mannschaft «Isolated Players» trotz des schön herausgespielten Sieges von SIM Jörg Betker 19½:20½ verloren. Und auch im Vergleich mit dem grossen Nachbarn aus dem Norden ist der Start missglückt und die Schweiz läuft einem 18:20-Rückstand hinterher.

Eine neue Chance bietet ein Freundschaftswettkampf gegen die USA, der im September starten soll. Der letzte Vergleich vor wenigen Jahren endete mit einem 25:25-Unentschieden.

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